Sind Minimalisten "erfolgreich"?

Eine Begegnung, die mich in den letzten Wochen nachhaltig beeindruckt hat, war die mit Joachim Klöckner, Autor des Buches „Der kleine Minimalist“. Joachim hat uns beim Minimalimusstammtisch in Berlin im Juli etwas von seiner Zeit geschenkt und uns von seinem Leben berichtet. Nach seinem „ersten Leben“ mit schnellen Autos und einem „normalen“ Beruf und einigen weiteren Lebenswendungen und -fügungen hat sich Joachim von so gut wie jeglichem materiellen Besitz befreit. Was für eine spannende Geschichte!

Er zieht seitdem mit nur einem Rucksack durch die Welt, darin ein paar aufeinander abgestimmten Klamotten für Sommer und Winter, ein Hygienegrundpaket, eine Miniküche (in Form einer einklappbaren Schüssel und einer Gabel-Löffelkombi) und seine elektronischen Geräte, die ihm den Alltag als reisender Minimalist, Buchautor und Mensch erleichtern. Der Alptraum und der absolute Anti-Entwurf für unsere Konsumwelt, die auf dem Dreiklang Arbeiten – Kaufen – Verbrauchen – (and repeat: Arbeiten…) aufgebaut ist.

Zur gleichen Zeit hatte ich mir aus der Bibliothek ein Buch eines „Erfolgsgurus“ ausgeliehen, da ich gerne in die gesammelten Lebensweisheiten verschiedenster Menschen hineinschnuppere. Unglaublich erstaunt war ich zum wiederholten Male, wie unterschiedlich „Erfolg“ doch definiert werden kann. Eine Frage in diesem Buch war:

„Welchen Mensch würdest du als erfolgreich bezeichnen?“

Vermutlich wartete der höher-schneller-weiter Selbstoptimierungsautor nun darauf, dass ich im Geiste Millionäre, Börsenhaie oder Firmenchefs aufzähle – und dann unbedingt mit seiner Hilfe so werden möchte, wie sie. Doch mir fiel zuallererst Joachim ein! Denn ich habe kaum jemanden kennengelernt, der trotz so gut wie keinem materiellen Besitz so in sich ruht und so viel Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlte, wie er. Und das ganz ohne lange Bürotage, Frühschichten, Überstunden, Firmenwagen oder Jahresboni. Joachim ist der Minimalist unter den Minimalisten, darum geht es ihm aber eigentlich gar nicht. Seine Botschaft lautet:

Nehmt euer Leben in die Hand!

Lebt vor, was außerhalb der ausgetretenen Pfade möglich ist, vernetzt euch, seid gut zueinander. Doch auch das gehört zur Wahrheit –  das Ausbrechen aus konservativen Lebensmustern erfordert Mut! Neid, Missgunst, Zweifel…all das schlägt dem oder der Mutigen, die vom Pfad abweicht, entgegen. Manchmal sind die eigenen Zweifel am lautesten. Dann hilft es, sich Rat bei Gleichgesinnten zu holen, sei es auf Veranstaltungen wie dem Minimalismus-Stammtisch (den es übrigens nicht nur in Berlin gibt!), oder sich selbst die Frage, was Erfolg eigentlich für einen ganz persönlich bedeutet, ganz klar noch einmal zu beantworten.

Für mich ist jemand erfolgreich, der nach den eigenen Bedürfnissen lebt, ohne die von anderen aus den Augen zu verlieren. Der immer wieder hinterfragt, wann „mehr“ genug ist. Der mutig genug ist, Lebensumstände zu ändern, die nicht guttun, die einengen, Geist und Seele langfristig krank machen. Der um Hilfe fragt und Hilfe annehme kann. Der darauf vertraut, dass aus einem ersten Schritt eine Reise werden kann, hin zu einem entspannteren Alltag, in Einklang mit sich selbst. Bei mir begann diese Reise mit der schrittweisen Minimierung und der Ordnung meines Besitzes (auch wenn ich von dem Rucksack von Joachim immer noch weit entfernt bin!) und setzte sich bei so vielen Themen fort...aber davon vielleicht ein andermal.

Und was bedeutet Erfolg für Sie? Darf ich Sie auf Ihrer Reise hin zu weniger ist mehr begleiten?

PS: Weitere Infos zu Joachim Klöckner findet man unter https://storyvents.com/autor-profil/joachim-kloeckner/

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